Adipositaschirurgie: Band oder Bypass?

Von: PD Dr. med. Rudolf Steffen

Themen: Bauchraum, Stoffwechsel

1. Juli 2011 – Zur bariatrischen oder Adipositaschirurgie zählen Operationen zur Reduktion von krankhaftem Übergewicht (Adipositas). Die Grenze zu diesem liegt bei einem Body-Mass-Index von 35. Weder Diät noch Sport helfen, das Gewicht dauerhaft zu senken – krankhaftes Übergewicht ist nur chirurgisch therapierbar. Die Betroffenen leiden körperlich und seelisch: Oft werden sie sozial ausgegrenzt oder am Arbeitsplatz benachteiligt, zudem sterben sie früher an Folgekrankheiten, wie Diabetes Typ II, Herzinfarkt und Krebs.

Bei uns ist Essen überall vorhanden, günstig und schmackhaft – aber leider häufig auch ungesund. Durch die Industrialisierung ist die körperliche Arbeit in vielen Berufen gleich null und der Energieverbrauch entsprechend gering. Die Motorisierung senkt den Kalorienbedarf noch weiter. Menschen mit besonderen Speichergenen wären eigentlich im Stande, Hunger­perioden zu überleben, werden aber durch die veränderten Lebensumstände zunehmend übergewichtig.

Arzt und Patient müssen wissen, dass krankhaftes Übergewicht nicht heilbar ist und dass der Chirurg an einem an sich gesunden Organsystem, dem Magen-Darm-Trakt, operiert. Eine Methode ohne Komplikationen oder unerwünschte Nebenwirkungen gibt es bislang genauso wenig wie den gesicherten und dauerhaften Erfolg. Korrektureingriffe nach Übergewichtschirurgie sind nicht selten.

Die Geschichte der Übergewichtschirurgie geht in die 60er-Jahre zurück. Die damaligen Techniken waren sehr gefährlich und wurden im Laufe der Zeit immer wieder von neuen Methoden abgelöst: Auf feste, nicht anpassbare Magenbänder folgten anpassbare Magenbänder, der Magenbypass in all seinen Variationen und schliesslich der Schlauchmagen.

Abb. 1
Magenband

Abb. 2
Magenbypass

Anpassbares Magenband

Nach drei Jahren mit festen Bändern begannen wir 1994 in der Klinik Beau-Site mit der laparoskopischen Magenbandoperation – damit wurde die Übergewichtschirurgie in der Schweiz populär. Bis 1992 waren die Klinik Beau-Site in Bern und das CHUV in Lausanne schweizweit die einzigen Zentren für dieses Spezial­gebiet der Chirurgie. 1998 implantierten über 100 Chirurgen in 50 Spitälern Magenbänder. Die Viszeralchirurgen der Klinik Beau-Site haben inzwischen über 2000 Magenbänder eingelegt und die Patienten anschliessend korrekt nachbetreut. Die Langzeitergebnisse sind in einer wissenschaftlichen Publikation dokumentiert: Nach sieben Jahren hatten 75 % aller Patienten noch ein Magenband und die meisten hatten genügend abgenommen. Allerdings mussten insgesamt 54 % der Patienten ein- oder mehrmals reoperiert werden und bei 26 % musste vom Magenband zum Magenbypass gewechselt werden.

Die Belastung der Speiseröhre ist das Hauptproblem beim Magenband. Wegen der geringen Erfolgsquote und der erweiterten technischen Möglichkeiten ist seit 2002 der laparoskopische Magenbypass die Therapie der Wahl; Magenbänder werden nur noch bei ausgewählten, meist jungen Patienten implantiert.

Laparoskopischer Magenbypass

Der laparoskopische Magenbypass ist in der Klinik Beau-Site, aber auch international, die häufigste Operation der Übergewichtschirurgie. Dank der geringen Komplikationsrate, der hohen Gewichtsreduktion und der Möglichkeit zur Wiederherstellung des normalen Speiseweges bietet sie ein sehr gutes Risiko-Nutzen-Verhältnis. In der Klinik Beau-Site wurden bereits über 1000 derartige Magenbypass-Operationen durchgeführt.

Erfahrung und Nachsorge

Neben der Erfahrung der Spezialisten ist vor allem die lebenslange Nachsorge der Patienten von zentraler Bedeutung. Nach der Operation werden die Patienten vom bekannten AdipositasAdipositas: Sehr starkes Übergewicht, Fettleibigkeit, Fettsucht. Gemäss Weltgesundheitsorganisation (WHO) gilt ein Mensch mit einem BMI von 30 und mehr als stark übergewichtig.-Arzt PD Dr. med. Fritz Horber weiter betreut. Nach mehr als zehn Jahren gehen über 90 % der operierten Patienten regelmässig zur Kontrolle.

Die Klinik Beau-Site blickt auf 20 Jahre Übergewichtschirurgie zurück. Die Viszeralchirurgen operierten über 3000 Patienten und kennen die Vor- und Nachteile aller gängigen Techniken. Derzeit werden jährlich rund 250 bariatrische Operationen durchgeführt. Seit Mitte der 90er-Jahre erfolgen die Eingriffe prinzipiell laparoskopischLaparoskopie: Laparoskopie ist eine Operation mittels Bauchspiegelung. Über 5 – 10 mm kleine Hautschnitte bringen die Ärzte eine Kamera und Operationsinstrumente in das Operationsfeld ein., das heisst, mit Hilfe eines optischen Instruments durch kleine Schnitte in der Bauchdecke. Dies ist für die Patienten weniger belastend, und die Sterblichkeit in unserem Haus bei solchen laparoskopischen Eingriffen ist bis heute null. Bei rund 1% der Operierten traten allerdings gravierende Komplikationen auf, die sie und ihre Angehörigen durchstehen mussten. Damit auch solche Patienten überleben, werden sie auf der Intensivstation rund um die Uhr von allen beteiligten Ärzten und dem Pflegepersonal überwacht und versorgt.

Dank ihrem umfassenden Angebot der Intensivpflege und der spezifischen Infrastruktur ist die Klinik Beau-Site seit Anfang 2011 im Programm für ein «Center of Excellence» für Übergewichtschirurgie.

Ziele der Adipositaschirurgie

  • Langfristige, nachhaltige Gewichtsreduktion (mind. 50 % des Übergewichtes)
  • Prophylaxe und Therapie der Folgeerkrankungen,wie Bluthochdruck oder Zuckerkrankheit, und damit
  • Erlangen der normalen Lebenserwartung
  • Bessere soziale Kontakte und Wiedereingliederung im Berufsleben
  • Steigerung der Lebensqualität