Aktiv vorwärts mit einem künstlichen Hüftgelenk

Von: Dr. med. Balz Aklin

Themen: Gelenke

04. Juli 2014 – Die Arthrose der Hüfte ist ein häufiges Problem und betrifft nicht nur ältere Menschen. Oft leiden daran auch junge, bewegungsfreudige Personen. Ist die Hüftarthrose fortgeschritten, muss das beschädigte Gelenk durch eine Hüfttotalprothese ersetzt werden. Mit einem professionellen Team und der richtigen Behandlung werden sehr gute Ergebnisse erzielt.

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Im Gegensatz zu den Implantaten haben sich die Operationstechniken über die Jahre hinweg stark verändert.

Eine Hüftarthrose verursacht sowohl im Ruhezustand als auch in der Bewegung Schmerzen. Daraus entstehen im Alltag, im Beruf und in der Freizeit zwangsläufig Einschränkungen. Ist die Abnutzung am Gelenk fortgeschritten, muss das beschädigte Gelenk durch ein künstliches ersetzt werden (HüfttotalprotheseHüfttotalprothese: vollständiger Ersatz eines kranken Hüftgelenks: In das Becken wird eine Kunstpfanne eingesetzt, in den Oberschenkelknochen ein Mteallstift, der den künstlichen Hüftkopf trägt). Die Schmerzen, die vor der Operation vorhanden waren, treten danach nicht mehr auf.

Andauernde Fehlbelastungen

Ein künstliches Gelenk ist auf eine gute Muskulatur, Bänder und Sehnen angewiesen, denn die Prothese wird von ihnen bewegt. Vor einem Eingriff sind diese aber in der Regel bereits beeinträchtigt, denn durch die ArthroseArthrose: Gelenkverschleiss, Abnutzung des Gelenkknorpels und im fortgeschrittenen Stadium des Knochens wurde das Gelenk über längere Zeit falsch belastet. Die Fehlbelastungen stellen sich sehr langsam oder gar unmerklich ein. Die Beweglichkeit des Beines, insbesondere die Einwärtsdrehung und Biegung der Hüfte, ist häufig eingeschränkt. Daher kann bereits das Anziehen von Socken problematisch sein. Das Hüftgelenk nutzt sich zunehmend ab; es kommt immer häufiger zu Schmerzschüben. Wer hätte da noch Lust, sich zu bewegen?

Ganzheitliches Therapiekonzept

Ein Hüftersatz ist mehr als nur eine Schmerztherapie mit Einfügen einer Prothese. Betroffene erhalten damit mehr Lebensqualität und Mobilität. Gleichzeitig steigen auch die Erwartungen an den Orthopäden. Im Zentrum steht deshalb ein ganzheitliches Therapiekonzept, das von der Planung des Eingriffs bis zur Nachbehandlung reicht.

Planung des Eingriffs

Betroffene möchten zu Recht gut informiert sein. In einer individuellen Sprechstunde klärt der Spezialist sie über das Krankheitsbild, die Therapiemöglichkeiten und die Operationstechnik auf. Sie erhalten Informationen zu den verwendeten Implantaten, zum Spital­aufenthalt, zur Nachbehandlung und zum Alltag nach dem Eingriff. Welche Belastungen sind erlaubt und ab welchem Zeitpunkt? Sind sportliche Aktivitäten wie Joggen oder Skifahren nach der Operation überhaupt noch möglich?

Immer häufiger wird von Patienten der Wunsch geäussert, nach dem Eingriff eine seit Jahren nicht mehr erreichte Belastung zu erlangen. Bewegungsmuffel werden zu Hobbysportlern, denn sie entdecken die Freude an der Bewegung neu. Solche Wünsche und Ziele müssen richtig und realistisch begleitet werden.

Wahl der Prothese

Bei der Prothesenwahl ist das Neuste nicht immer das Beste. Es bestehen seit Jahrzenten Prothesenregister, die alle implantierten Prothesen national registrieren. Die daraus ersichtlichen Informationen erlauben einen umfassenden Überblick über die auf dem Markt verfügbaren Produkte. Bewährte Prothesen können eine Entwicklung von mehr als 20 Jahren aufweisen. Das mit dem Einsatz neuer Prothesen häufig in Kauf genommene Risiko ist meistens nicht gerechtfertigt. Denn fehlerhafte Gelenk­ersätze offenbaren sich erst nach einigen Jahren im Gebrauch.

Minimalinvasive Operationstechnik

Im Gegensatz zu den Implantaten haben sich die Operationstechniken über die Jahre hinweg stark verändert. Heute sind bessere Instrumente für das Einsetzen der Prothesen verfügbar. Die Wahl der Zugangswege zur Verankerung der Implantate ist wichtig, um die Muskulatur, Bänder und Sehnen um den Knochen möglichst nicht zu verletzen. Solche Operationstechniken sind für den Arzt anspruchsvoll und müssen dementsprechend geschult und geübt werden. Die erreichten Resultate sprechen aber für sich: Der Patient erholt sich nach der Operation rasch und erreicht schnell eine gute Funktion der Hüfte. Er erfährt weniger Beeinträchtigungen in Bezug auf die bekannten Fehlbelastungen und Fehlfunktionen der Bewegungsabläufe. Gerade für einen Patienten, der nach dem Eingriff hohe Ansprüche an sein Gelenk stellt, ist diese Methode ideal.

Nachbehandlung

Nach einer Gelenkersatzoperation der Hüfte sollte die Nachbehandlung individuell angepasst werden. Patienten müssen durch einen gezielten Aufbau und eine gezielte Gangschulung wieder neu geschult und trainiert werden. Nur so können die hohen Erwartungen, welche gerade auch jüngere Patienten an ihr Gelenk stellen, erreicht werden. Die Resultate der Operation sind bei der Berücksichtigung dieser Abläufe deutlich beständiger.