Das Aneurysma der Aorta ascendens: eine Zeitbombe!

Themen: Herz

1. April 2013 – Das Aneurysma der Aorta ascendens ist eine ernst zu nehmende Erkrankung, die unerkannt zur tödlichen Ruptur oder Dissektion führen kann. Die häufigsten Ursachen der Aneurysmabildung sind angeborene Bindegewebsschwäche und Bluthochdruck. Bei einem Durchmesser von 45–55mm ist der operative Ersatz der aufsteigenden Hauptschlagader angezeigt. Die Resultate sind heutzutage sehr gut, und der Eingriff ist mit einem geringen Risiko verbunden.

Abb. 1

  1. Entnommener, ausgedehnter Gefässabschnitt (AneurysmaAneurysma: sackförmige Ausbuchtung oder Erweiterung eines arteriellen Gefässes), der zu platzen drohte
  2. Der entnommene Gefässabschnitt wird durch eine Prothese ersetzt – in diesem Fall kombiniert mit einer künstlichen Aortenklappe.
  3. Herzkranzgefäss
  4. Aortenbogen

Der Begriff «Aneurysma» leitet sich vom Altgriechischen ab und bedeutet «Erweiterung». Solche Erweiterungen der Hauptschlagader können sich sowohl im Brust- als auch im Bauchraum bilden. Sie werden heutzutage offen operativ oder interventionellInterventionell: gezielte nicht chirurgische Eingriffe am Gewebe mittels eines Stents behandelt.

Eine Ausnahme bildet das AneurysmaAneurysma: sackförmige Ausbuchtung oder Erweiterung eines arteriellen Gefässes der aufsteigenden Hauptschlagader im Brustraum, dessen operative Behandlung obligat ist und für das es keine interventionelleInterventionell: gezielte nicht chirurgische Eingriffe am Gewebe oder minimalinvasiveMinimalinvasiv: Operativer Eingriff mit kleinstmöglichen Schnitten, auch Schlüsselloch-Chirurgie genannt. Therapiemöglichkeit gibt. Die aufsteigende Hauptschlagader – die Aorta ascendensAorta Ascendens: aufsteigende Schlagader – beginnt am Ausgang der linken Herzkammer, d.h. am Ansatzpunkt der Aortenklappe, und endet am Aortenbogen, jenem Teil der Hauptschlagader, von dem die Gefässe zur Durchblutung der Arme und des Kopfes abgehen. Das AneurysmaAneurysma: sackförmige Ausbuchtung oder Erweiterung eines arteriellen Gefässes der Aorta ascendensAorta Ascendens: aufsteigende Schlagader kann den Klappenring der Aortenklappe und die Herzkranzgefässe miteinbeziehen, was für die genaue Festlegung der operativen Technik wichtig ist.

Bindegewebsschwäche und Arterienverkalkung

Die Aorta ascendensAorta Ascendens: aufsteigende Schlagader muss millionen-, ja milliardenfach die Pulswelle des Blutes aufnehmen, das bei der Kontraktion des Herzes aus der linken Herzkammer strömt. Liegt eine angeborene Bindegewebsschwäche vor oder eine Erkrankung beziehungsweise Abnützung der elastischen Fasern der Aortenwand, bedingt durch hohen Blutdruck oder Entzündung, kann die Aorta ascendensAorta Ascendens: aufsteigende Schlagader der Dauerbelastung nicht standhalten und erweitert sich.

Die Festigkeit der Aortenwand kann, genetisch bedingt, vermindert sein – typischerweise bei Patienten mit allgemeiner vererbbarer Bindegewebsschwäche. Weil diese Aneurysmen dann familiär gehäuft auftreten, sind Untersuchungen der erstgradigen Angehörigen mittels Herzultraschall und eine allfällige genetische Beratung empfehlenswert. Eine Wandschwäche einer primär gesunden AortaAorta: Hauptschlagader kann aber auch bei einer Immunerkrankung, einer bakteriellen Infektion oder im Rahmen einer ArterioskleroseArteriosklerose: Arterienverkalkung. Verengung der Blutgefässe durch Ablagerungen, wie Kalk, Blutfette oder Blutgerinnsel. erworben werden. Bei jüngeren Patienten ist die Ursache häufiger eine Form der angeborenen Bindegewebsschwäche, bei älteren die ArterioskleroseArteriosklerose: Arterienverkalkung. Verengung der Blutgefässe durch Ablagerungen, wie Kalk, Blutfette oder Blutgerinnsel..

Ein AneurysmaAneurysma: sackförmige Ausbuchtung oder Erweiterung eines arteriellen Gefässes der Aorta ascendensAorta Ascendens: aufsteigende Schlagader im Brustbereich wird bei 6 von 100 000 Personen pro Jahr diagnostiziert. Diese Zahl erscheint klein. Der Ersatz der Aorta ascendensAorta Ascendens: aufsteigende Schlagader in seinen verschiedenen Variationen gehört in der Klinik Im Park jedoch zu den drei am häufigsten durchgeführten Operationen. Dieses AneurysmaAneurysma: sackförmige Ausbuchtung oder Erweiterung eines arteriellen Gefässes kann in fast jedem Alter auftreten: Der jüngste Patient, bei dem wir ein AneurysmaAneurysma: sackförmige Ausbuchtung oder Erweiterung eines arteriellen Gefässes der Aorta ascendensAorta Ascendens: aufsteigende Schlagader operieren mussten, war 12 Jahre jung, der älteste 89 Jahre alt.

Wie wird diagnostiziert?

Aneurysmen der Aorta ascendensAorta Ascendens: aufsteigende Schlagader verursachen in der Regel keine Beschwerden. Üblicherweise werden sie im Rahmen einer anderweitigen Untersuchung zufällig diagnostiziert, am häufigsten im Röntgenbild des Brustkorbs und im Herzultraschall (EchokardiographieEchokardiographie: Herz-Ultraschalluntersuchung, bei der die Herzklappenfunktion und die Pumpleistung der Herzes in Echtzeit untersucht werden können), aber auch in einer Computer- oder MagnetresonanztomographieMagnetresonanztomographie/Magnetic Resonance Imaging (MRI): Medizinisches Bildgebungs-Verfahren, das nach Lagerung des Patienten im MR-Gerät durch Veränderungen elektomagnetischer Felder Schnittbilder des menschlichen Körpers erstellt.. Die primäre Untersuchungsmethode zur Feststellung und zur Verlaufsbeobachtung des Aortenaneurysmas ist der Herzultraschall, oft ergänzt durch Magnetresonanz- oder ComputertomographieComputertomographie (CT): Medizinisches Bildgebungs-Verfahren, bei dem hochauflösende Schnittbilder des Körpers durch digitale Datennachverarbeitung eine Vielzahl von Röntgenaufnahmen erzeugt werden, die während einer Rotation um die Längsachse aus verschiedenen Projektionswinkeln aufgenommen wurden.
. Aortenaneurysmen können im Durchmesser stetig an Grösse zunehmen, und zwar umso schneller, je grösser sie bereits sind. Wird eine bestimmte Grösse überschritten, erhöht sich das Risiko für eine plötzliche, tödliche RupturRuptur: Riss einer Gewebestruktur. Alternativ kann die innerste Schicht der Aortenwand einreissen, was zu einer WühlblutungWühlblutung: Blutung in die aufgespaltene Wandschicht der Aorta in Richtung des Blutstroms führt und die Hauptschlagader bis in den Bauchbereich betreffen kann. Die Sterberate einer derartigen DissektionDissektion: Aufspaltung der Wandschichten eines Gefässes mit anschliessender Blutung geht gegen 90%. Der Patient kann nur durch eine notfallmässige Operation gerettet werden, wobei auch dabei ein Sterberisiko zwischen 8 und 25% besteht. Aneurysmen des Anfangsabschnitts der Aorta ascendensAorta Ascendens: aufsteigende Schlagader führen im Verlauf meist zu einer starken Verformung der Aortenklappe samt Behinderung des Klappenschlusses, sodass diese oft eine erhebliche Undichtigkeit aufweist.

Wann ist eine Operation notwendig?

Der Wahleingriff am beschwerdefreien Patienten hat präventiven Charakter und bezweckt, einer RupturRuptur: Riss einer Gewebestruktur respektive der DissektionDissektion: Aufspaltung der Wandschichten eines Gefässes mit anschliessender Blutung zuvorzukommen. Da die Wahrscheinlichkeit einer RupturRuptur: Riss einer Gewebestruktur mit der Zunahme des Durchmessers steigt, hängt der Zeitpunkt der geplanten Operation vom Durchmesser und der Wandschwäche der AortaAorta: Hauptschlagader, der Körpergrösse und dem Risiko der Operation ab. Ist das Operationsrisiko deutlich geringer als die Wahrscheinlichkeit einer RupturRuptur: Riss einer Gewebestruktur, ist der prophylaktische Ersatz der AortaAorta: Hauptschlagader sinnvoll.

Liegt der grösste gemessene Durchmesser des Aneurysmas zwischen 45 und 55mm, ist die Operation – abhängig von Körpergrösse und -gewicht – angezeigt. Diese besteht im Ersatz des ausgeweiteten Segments der Aorta ascendensAorta Ascendens: aufsteigende Schlagader durch eine Gefässprothese. Die Aortenklappe wird je nach Miteinbezug in das AneurysmaAneurysma: sackförmige Ausbuchtung oder Erweiterung eines arteriellen Gefässes und Vorschädigung gleichzeitig durch eine künstliche Klappe ersetzt oder unter Erhaltung der Klappentaschen rekonstruiert. Dank der Haltbarkeit der heutigen Gefäss- und Klappenprothesen gilt die Operation als definitive Therapie mit exzellenten Langzeitresultaten.

Das operative Risiko beim Ersatz der Aorta ascendensAorta Ascendens: aufsteigende Schlagader durch eine Gefässprothese liegt unter 1%, unabhängig davon, ob der Eingriff nur die Hauptschlagader umfasst oder auch Aortenklappe und Herzkranzgefässe miteinbezieht.