Der aktuell schonungsvollste Zugang zum Hüftgelenk für das Einsetzen einer Totalprothese

Von: Dr. med. Philipp Bernhart

Themen: Gelenke

1. Januar 2012 – In den letzten 50 Jahren hat sich das Einsetzen eines künstlichen Hüftgelenkes zunehmend zu einem Standard- und Routineeingriff entwickelt.

2009 wurden in der Schweiz etwa 17 000 derartige Operationen durchgeführt.

Die Hüftgelenkarthrose ist ein sehr verbreitetes Beschwerdebild bei Patienten ab dem 40. Altersjahr. In der Schweiz ist etwa ein Drittel der Bevölkerung mehr oder weniger stark von diesem Problem betroffen.

Bleibt nach Ausschöpfung sämtlicher konservativer Massnahmen, wie Spritzen, Kuren usw., die Besserung aus, ist das Einsetzen eines Kunstgelenkes die Lösung.

Der «vordere Zugang» (sogenannt nach Hüeter-Laude) stellt im Moment das schonungsvollste Verfahren dar, bei dem die Muskulatur am Hüftgelenk nicht geschädigt wird (minimalinvasivMinimalinvasiv: Operativer Eingriff mit kleinstmöglichen Schnitten, auch Schlüsselloch-Chirurgie genannt.). Vor allem muss die Muskulatur nicht abgelöst werden. Hierfür wurden spezielle Instrumente entwickelt. Diese weisen zum Teil eine S-Form auf, die es ermöglicht, gleichsam um die Ecken zu operieren. Seit dem Jahre 2006 werden in der Schweiz an verschiedenen Orten regelmässig solche Eingriffe durchgeführt.

Mit diesem Zugang ergibt sich eine verbesserte Schonung der Muskulatur gegenüber allen klassischen Hüftoperationen. Der Patient kann häufig schon vom 1. Tag nach dem Eingriff an wieder selbstständig gehen und die Hüfte belasten. Ein weiterer Vorteil besteht darin, dass die verkürzte Liegedauer Folgeschäden, wie z. B. Thrombosen, ausschliesst. Die Hospitalisationsdauer ist schliesslich deutlich knapper zu bemessen und die Schmerzen sind deutlich geringer.

Dr. med. Fabian Kalberer, Leitender Arzt an der Klinik für Hüft- und Beckenchirurgie am Kantonsspital Winterthur und vormals an der Orthopädischen Universitätsklinik Balgrist, hat im Februar dieses Jahres in der Zeitschrift JATROS (Orthopädie- und Rheumatologie) eine sehr aufschlussreiche Studie publiziert. Im Rahmen von 145 eingesetzten Hüftprothesen ergab die Auswertung aller Nachuntersuchungen, dass die Technik des vorderen, direkten Zugangs die meisten Vorteile für den Patienten bringt. So ist beispielsweise die optimale Muskelschonung im MRIMagnetresonanztomographie/Magnetic Resonance Imaging (MRI): Medizinisches Bildgebungs-Verfahren, das nach Lagerung des Patienten im MR-Gerät durch Veränderungen elektomagnetischer Felder Schnittbilder des menschlichen Körpers erstellt. (Magnetresonanztomografie) nachgewiesen.

Seit 2006 implantieren wir die Hüftprothesen ebenfalls mit dieser Operationstechnik.