Die Graue Star-Operation – Braucht es noch eine Brille?

Von: Dr. med. Alexander Herrmann

Themen: Augen

1. Januar 2013 – Diese Frage stellen sich wohl viele Patienten, die vor einer Graue Star (Katarakt)-Operation stehen. Dr. med. Alexander Herrmann referierte als Experte an der AndreasKlinik in Cham über die verschiedenen Möglichkeiten bei der Wahl der richtigen Linse und dem zu erwartenden Operationsergebnis vor einem äusserst interessierten, mehrheitlich älteren Publikum.

Der graue Star (medizinisch Katarakt) ist eine typische Alterserkrankung oder besser gesagt eine Alterserscheinung, die durch eine Trübung der sonst kristallklaren Augenlinse verursacht wird.

Die Linsentrübung gehört bis zu einem gewissen Grad zum natürlichen Alterungsprozess des Auges. Entsprechend lassen sich praktisch bei jedem älteren Menschen mehr oder weniger starke Trübungen der Linse nachweisen. Man spricht auch vom Altersstar.

Nebst dem Alter können aber auch noch andere Faktoren die Linsentrübung herbeiführen. Wichtig ist beim grauen Star, dass jedes Auge für sich betrachtet und entsprechend behandelt wird.

Anatomie: Wie entsteht ein Bild?

Das Auge funktioniert im Prinzip ähnlich wie ein Fotoapparat, bei dem das Licht durch ein Objektiv gebündelt und fokussiert wird und den Film belichtet. Beim Auge erfolgt die Bündelung des Lichtes durch die klare Hornhaut und Linse. Damit wird das Bild auf die Stelle des schärfsten Sehens der Netzhaut - der Makula - fokussiert.

Um das Bild zu sehen, nimmt der gesunde Sehnerv alle Reize auf und leitet die Informationen an das Gehirn weiter. Dort wird dann das entsprechende Bild generiert. Zur Funktion des Auges gehören auch die Iris (Regenbogenhaut), die als Blende funktioniert, der Glaskörper und eine richtig funktionierende Netzhaut (Retina) mit einer gesunden Makula (gelber Fleck). Diese ist verantwortlich fürs scharfe Sehen.

Die Linse: Anatomie und Funktion

© Dr. med. A. Herrmann

Die Linse steckt in einer Kapsel, die über feine Fasern (Zonulafasern) am Ringmuskel (Ziliarmuskel) aufgehängt ist. Der Ringmuskel steuert die Krümmung (Brechkraft) der Linse, damit jederzeit ein scharfes Bild gesehen wird. Diese sogenannte Akkommodation reicht von einer Einstellung auf weit entfernte Gegenstände (flachste Linsenkrümmung) bis zu einem Nahpunkt (stärkste Linsenkrümmung).

Durch den natürlichen Alterungsprozess nimmt die Verformbarkeit der Linse ab und damit auch die Akkommodationsfähigkeit. Gegenstände in der Nähe können immer weniger scharf gesehen werden – man benötigt eine Lesebrille. Dies wird als Alterssichtigkeit, respektive Altersweitsichtigkeit bezeichnet.

Die verschiedenen Fehlsichtigkeiten

Mit den heutigen Kunstlinsen, die bei der Grauen Star-Operation eingesetzt werden, kann gleichzeitig auch eine bestehende Fehlsichtigkeit ausgeglichen werden. Dazu gehören die Kurz- und Weitsichtigkeit, die Hornhautverkrümmung (Astigmatismus) und die Alterssichtigkeit. Spezielle Kunstlinsen ermöglichen nach der Katarakt-Operation eine gute Fern- und Nahsicht – ohne zusätzliche Brille.

Alterssichtigkeit (Presbyopie)
Für die Alterssichtigkeit ist in erster Linie das Nachlassen der Akkommodationsfähigkeit verantwortlich, das heisst das Scharfstellen auf nahgelegene Gegenstände lässt nach. Diese Sehschwäche beginnt ca. im 45. Lebensjahr. In diesem Alter beträgt die ideale Sehschärfe 0.5 Meter. Zum Vergleich: Im Kindes- und Jugendalter beträgt diese Sehschärfe 5 cm. Die Kinder können also das Buch praktisch zur Nase führen und die Buchstaben sind immer noch scharf und gut lesbar.

Das typische Zeichen der Alterssichtigkeit ist: die «Arme werden immer kürzer», weil man zum Scharfsehen Gegenstände (Uhr, Buch) immer weiter vom Auge entfernen muss. Je älter der Mensch wird, desto grösser wird diese Distanz; mit 80 Jahren zum Beispiel beträgt sie fast 2 Meter. Normalerweise kann die Alterssichtigkeit gut mit einer entsprechenden Lesebrille ausgeglichen werden.

Kurzsichtigkeit, Myopie
Kurzsichtige können nahe Gegenstände tadellos scharf sehen. Die Fernsicht ist allerdings unscharf. Beim Kurzsichtigen werden beim Blick in die Ferne die Lichtstrahlen etwas vor der Netzhaut fokussiert. Dadurch wird das Bild unscharf gesehen. Dabei ist das Auge nicht etwa schlechter als ein normalsichtiges Auge – es ist anatomisch nur etwas länger gebaut. Dies kann mit einem Minusglas (Brille) oder mit Kontaktlinse ausgeglichen werden.

Weitsichtigkeit, Hyperopie
Im Gegensatz zur Kurzsichtigkeit, ist das Auge bei Weitsichtigkeit etwas zu kurz gebaut. Die eintreffenden Lichtstrahlen beim Blick auf nahegelegene Gegenstände werden erst hinter der Netzhaut fokussiert. Folge: Die Fernsicht ist scharf, Gegenstände in der Nähe sind aber unscharf, was z.B. beim Lesen Mühe bereitet. Die Korrektur einer Weitsichtigkeit erfolgt mit einem Plusglas (Brille) oder mit Kontaktlinsen.

Hornhautverkrümmung, Astigmatismus
Bei der Hornhautverkrümmung handelt es sich um eine sogenannte Stabsichtigkeit. Die Hornhautverkrümmung kann sowohl bei der Kurzsichtigkeit als auch bei der Weitsichtigkeit oder als eigenständige Fehlsichtigkeit auftreten. Bilder oder Gegenstände werden dabei versetzt oder verzerrt gesehen. Ein Punkt zum Beispiel erscheint als Linie («Stab») oder Kreise werden als Ellipsen wahrgenommen. Das Gehirn ist bei geringer Hornhautverkrümmung noch in der Lage, die Verzerrungen zu korrigieren, sodass die Hornhautverkrümmung zunächst nur als eine allgemein ungenaue Sehschärfe wahrgenommen wird. Hornhautverkrümmungen werden mit einem Zylinderglas oder mittels torischer Kontaktlinse korrigiert. Hornhautverkrümmungen kleiner als 1 Zylinder Dioptrie benötigen oft keine Korrekturen.

Aufbau und Veränderungen der Linse im Laufe des Lebens

Die Linse selbst ist schalenförmig aufgebaut und besteht aus Kapsel, Rinde und Kern. Der Linsenkern befindet sich im Zentrum der Linse. Im Laufe des Lebens nimmt die Linse an Grösse zu, da der Kern immer neue Randschichten bildet. Daher besteht der Linsenkern des Erwachsenen aus mehreren Schichten. Mit dem Älterwerden kommt es zur Quellung der Linse und gleichzeitig verdichtet sich der Linsenkern, was letztendlich die Trübung – den altersbedingten grauen Star – verursacht.

Während der Kindheit und bis zum mittleren Erwachsenenalter ist die Augenlinse durchsichtig und klar. Ab etwa 45 Jahren beginnt die Linse infolge der natürlichen Alterung einzutrüben. Mit 90 Jahren hat praktisch jeder Mensch einen grauen Star entwickelt. Durch die Trübung gelangt nicht mehr ausreichend Licht ins Auge, respektive auf die Netzhaut. Das Bild erscheint wie in einem Nebelschleier, wie wenn man durch eine beschlagene Fensterscheibe blickt.

Andere Ursachen für den grauen Star (Katarakt)

Nebst dem Alter gibt es weitere Faktoren, respektive Erkrankungen, die eine Katarakt-Entstehung begünstigen:

  • Stoffwechselerkrankung, vor allem schlecht eingestellter Diabetes (Zuckerkrankheit)
  • Grüner Star (medizinisch Glaukom), der mit einem erhöhten Augendruck einergeht
  • Chronische Entzündungen der Regenbogenhaut (Iris)
  • Intensive Lichtexposition (UV-Licht), zum Beispiel starke Sonneneinstrahlung im Schnee, insbesonders im Gebirge ohne Sonnenbrille, sowie Infrarot-Strahlung (Wärmestrahlung), z.B. bei der Verarbeitung sehr heisser Materialien (Glasbläser oder Hochofen-Arbeiter ohne Schutzbrille).
  • Medikamente, zum Beispiel durch eine langjährige hochdosierte Kortisonbehandlung
  • Verletzungen: Nach stumpfen Traumen (z.B. Schlag aufs Auge) oder einer direkten Augenverletzung (z.B. Stichverletzung) kann sich innerhalb weniger Stunden ein grauer Star (traumatischer Katarakt) entwickeln. Aber auch Jahre nach einem Augenunfall kann sich noch eine Katarakt entwickeln.
  • Eisenbedingte Katarakt: Ein im Auge verbliebener eisenhaltiger Fremdkörper(Eisensplitter) führt durch Eisenablagerungen zur Linsentrübung. Die Ablagerungen können auch die Netzhaut und den Sehnerv schädigen.
  • Selten ist ein grauer Star angeboren. Da die frühe Zusammenarbeit zwischen Auge und Gehirn für die Entwicklung der Sehfähigkeit notwendig ist, wird insbesondere bei starker und einseitiger Trübung relativ schnell operiert. Ist die Linsentrübung nur gering und beidseits ausgeprägt, wird meist erst bei Zunahme der Trübung im späteren Kindesalter operiert.

Beschwerden beim Grauen Star

Mit einer getrübten Linse sieht man schlecht. Erste Anzeichen des grauen Star sind:

  • Erhöhte Blendungsempfindlichkeit mit Lichthöfen um Lichtquellen vor allem nachts, hervorgerufen durch Lichtstreuung in den getrübten Linsenbereichen. Dies bereitet Autofahrern insbesondere nachts Schwierigkeiten.
  • Farben verlieren ihre Leuchtkraft und verblassen, Kontraste werden schwächer.
  • Das Lesen bei schwachem Licht wird zunehmend schwieriger.
  • Zunehmend verschwommenes und unscharfes Sehen, wie durch einen Nebelschleier oder durch eine beschlagene Scheibe.
  • Auch das Sehen von Doppelbildern ist möglich. Die Doppelbilder verschwinden beim Schliessen oder Abdecken des anderen Auges nicht.
  • Entwicklung oder Zunahme von Kurzsichtigkeit; Brillenträger gehen wiederholt zum Augenarzt mit der Bitte um eine neue Brille, da die alte zu «schwach» sei.

Stadien und Formen des Grauen Stars

Stadien des Grauen Stars von I – IV
© Dr. med. A. Herrmann

Katarakte können je nach Schweregrad der Trübung in verschiedene Stadien eingeteilt werden:

  • Stadium I: beginnender Katarakt, geringe Trübung der Linse, Sehschärfe 80-90%
  • Stadium II: unreifer Katarakt, deutliche Trübung der Linse, Sehschärfe 45-50%
  • Stadium III: reifer Katarakt, die Linse ist völlig getrübt, Sehschärfe 20%
  • Stadium IV: überreifer Katarakt mit völliger Erblindung, ist in der westlichen Welt sehr selten

Verschiedene Formen der Linsentrübung
Die Linsentrübung kann sich in verschiedenen Formen ausprägen. Sie kann im Linsenkern oder in der vorderen oder hinteren Linsenrinde (Linsenschale) gelegen sein. Die häufigsten Linsentrübungen finden sich im Linsenkern und sind für die meisten Graue Star-Operationen verantwortlich.

Bestimmte Formen oder typische Lagen der Linsentrübung verraten oft die Ursache (Erkrankungen, Verletzungen etc.) der Trübung. Eine langjährige hochdosierte Kortisonbehandlung verursacht zum Beispiel eine Trübung in der hinteren Linsenrinde. Beim angeborenen grauen Star ist die Trübung meist im vorderen Teil der Linse lokalisiert. Eine verletzungsbedingte Linsentrübung (z.B. nach einem Schlag aufs Auge) hat ein typisches blütenartiges Aussehen (Kontusionsrosette). Ob und wie stark das Sehvermögen beeinträchtigt wird, hängt vom Grad und von der Lage der Linsentrübung ab.

Wann wird die Graue Star-Operation notwendig

Früher wartete man mit der Katarakt-Operation bis der graue Star «reif» war. Heute werden andere, für den Patienten wichtigere Kriterien herangezogen.
Im Vordergrund steht der Leidensdruck des Patienten. Es gibt Personen, die sich mit einer Sehschärfe von 60% bereits sehr unwohl fühlen, andere kommen damit bestens zurecht. Für den Führerschein wird eine Sehschärfe von mindestens 60% gefordert. Ältere Autofahrer nehmen dies dann häufig zum Anlass, sich für die Graue Star-Operation zu entscheiden. Eine Sehschärfe von maximal 40% schränkt Betroffene im Alltag bereits stark ein, zum Beispiel durch Unsicherheiten beim Gehen.

Bei bestehenden Begleiterkrankungen des Auges, wie zum Beispiel einer altersbedingten Makuladegeneration, einem grünen Star (Glaukom) oder einer diabetischen Netzhauterkrankung, verbessert die Operation die Sehschärfe nicht sehr stark. Hier muss mit dem Patienten besprochen werden, ob sich die mögliche Verbesserung durch die Graue Star-Operation lohnt.

Die Sehschärfe des Partnerauges ist ebenfalls mitentscheidend für die Notwendigkeit der Katarakt-Operation. Oft gleicht das Partnerauge Defizite des kranken Auges derart gut aus, sodass der Betroffene unter dem Grauen Star kaum oder gar nicht leidet. Eine gute Hilfe: Ein Auge abdecken um zu sehen, was und wie gut man sieht und danach dasselbe mit dem anderen Auge.

Weitere Kriterien sind der Allgemeinzustand des Patienten sowie zusätzliche Operations-Risiken bezüglich des Auges (z.B. Begleiterkrankungen).

Allgemeine Daten und Fakten zur Graue Star-Operation

Weltweit gibt es ca. 50 Millionen erblindete Menschen. Bei etwa 15 Millionen ist der graue Star die Ursache. Mit einer Operation könnte demnach gut einem Drittel der Erblindeten geholfen werden. In der westlichen Welt gehört die Graue Star-Operation zu den häufigsten chirurgischen Eingriffen; in der Schweiz werden jährlich etwa 60'000 Katarakt-Operationen durchgeführt. Sie gilt heute mittlerweile als praktisch risikolose Routineoperation. Üblicherweise wird die Operation ambulant und in örtlicher Betäubung durchgeführt. Ein stationärer Aufenthalt ist nur in seltenen Fällen notwendig.

Die Graue Star-Operation – gestern

Die Operation des grauen Stars ist eine der ältesten Operationen überhaupt und auch heute noch die einzige Behandlungsmöglichkeit bei getrübter Linse.

Ein wenig Historie – Der Starstich
Bis weit ins 19. Jahrhundert war der Starstich die gängigste Behandlungsform des grauen Stars. Sogenannte «Starstecher» stachen mit einer speziellen Nadel in das Auge und drückten die getrübte Augenlinse in den Glaskörper beziehungsweise in das Innere des Augapfels. Der graue Star wurde damit nur aus der Sehachse geschoben, aber nicht entfernt. War der Starstich erfolgreich, konnten die meisten Patienten wieder Licht und Gegenstände erkennen. Der Erfolg war aber meist nicht von Dauer. Infolge hoher Komplikationsraten (Infektionen) erblindeten viele Menschen später gänzlich.

Bis ca. 1986/87 wurde dann die sogenannte intrakapsuläre Kataraktextraktion angewendet: Über einen grösseren Hornhautschnitt wurde die ganze Linse einschliesslich der Kapsel aus dem Auge entfernt. Die Operierten blieben linsenlos. Das Fehlen der Linse und die damit fehlenden 12 Dioptrien für die Sehfähigkeit mussten mit einer speziellen Starbrille oder durch Kontaktlinsen ersetzt werden. Doch auch die Starbrille hat ihre Nachteile. Kontaktlinsen wurden nicht von allen Patienten vertragen und waren in der Handhabung insbesondere für ältere Patienten oft problematisch. Bei solchen Patienten kann mit einem relativ unkomplizierten Eingriff auch heute noch nachträglich eine sogenannte sekundäre Kunstlinse eingesetzt werden.

Die moderne Graue Star (Katarakt)- Chirurgie

Heute wird die trübe Linse aus dem Kapselsack entfernt und eine künstliche Linse (Intraokularlinse) wird in den verbliebenen Kaspelsack eingesetzt. Die moderne Graue Star-Operation gilt heute als sehr sicher. Schwere Komplikationen mit bleibenden Funktionsschäden sind äusserst selten. In 99% der Fälle verläuft die Operation ohne ernsthafte Probleme.

Vorbereitungen für die Operation
Unmittelbar vor der Operation werden Auge und Lider sorgfältig desinfiziert und mit sterilen Tüchern so abgedeckt, dass nur das zu operierende Auge freiliegt. Mit einem leichten Lidsperrer wird das Auge während der Operation offen gehalten. Über einen Monitor werden die Vitalfunktionen (Puls, Blutdruck, Sauerstoffsättigung im Blut) während der kurzen Operationsdauer überwacht.

Graue Star-Operation in 4 Schritten

  • 1. Schritt: Örtliche Betäubung des Auges mittels Augentropfen (Tropfbetäubung oder Tropfanästhesie genannt). Dadurch wird die Operation praktisch schmerzfrei, das Auge bleibt aber beweglich. Um unkontrollierte Augenbewegungen zu vermeiden, muss der Patient einen Lichtpunkt fixieren. In manchen Fällen kann eine örtliche Betäubung des Auges und der Umgebung mit Spritze oder sogar eine Vollnarkose sinnvoll werden. Damit wird das Auge komplett betäubt und unbeweglich.
  • 2. Schritt: Linsenentfernung: Die Linsenentfernung erfolgt mit der sogenannten «Phako-Maschine». Mittels «Phakotip» - dem eigentlichen Operationsinstrument zur Linsenentfernung – wird die getrübte Linse durch Ultraschall zerkleinert und gleichzeitig abgesaugt. Dazu ist nur ein sehr kleiner Einschnitt von knapp über 2 mm am Hornhautrand notwendig. Der winzige Schnitt am Auge ist am Ende der Operation selbstdichtend, sodass in der Regel nicht genäht werden muss.
  • 3. Schritt: Die gefaltete Kunstlinse wird über den gleichen Schnitt in den verbliebenen Kapselsack eingeführt.
  • 4. Schritt: Im Kapselsack entfaltet sich die Kunstlinse von selbst und sitzt genau an der gleichen Stelle wie vorher die eigene Linse. Zum Schutz vor unbeabsichtigten Berührungen wird am Ende der Operation das Auge mit einem Verband geschützt.

Tag eins nach der Operation
Am ersten Tag nach der Operation wird der Augenverband entfernt. Der Augenarzt überprüft den Reizzustand des Auges und kontrolliert den Sitz der Linse. Für den weiteren Heilungsverlauf braucht es Augentropfen, die gemäss Anweisungen des Augenarztes angewendet werden sollen.

Nach der Operation – braucht es noch eine Brille?

Die Stärke (Brechkraft) der Kunstlinse, die eingesetzt werden soll, muss individuell für jeden Patienten und für jedes Auge berechnet werden. Dabei kann auch eine zuvor bestehende Fehlsichtigkeit - Weitsichtigkeit, Kurzsichtigkeit und eine Hornhautverkrümmung - ganz oder teilweise zusätzlich ausgeglichen werden. Die Lesebrille aufgrund der Alterssichtigkeit wird nach der Operation meistens noch für die sehr kleine Schrift benötigt.

Vor der Operation vermisst der Arzt das Auge. Zusammen mit diesen Werten und mit Hilfe einiger Fragen an den Patienten kann er die passende Kunstlinse auswählen. Dazu gehören Fragen wie: in welcher Entfernung man am liebsten auch ohne Brille gut sehen möchte oder ob man gar keine Brille mehr tragen möchte. Später kann man auch mit einer leicht korrigierten Zusatzbrille in allen Entfernungen scharf sehen.

Diese Fragen können wie folgt lauten:

  • Stört Sie die Brille?
  • Wäre für Sie ein Leben ohne Brille oder fast ohne Brille ein Gewinn?
  • Stört Sie das Lesen mit Brille? Es gibt Patienten, die sind es gewohnt mit Brille zu lesen und wünschen gar keine Korrektur für die Nähe.
  • Möchten Sie ohne Brille Auto fahren?
  • Welches ist Ihre Haupttätigkeit, Beruf?
  • Arbeiten Sie häufig am Computer?
  • Wünschen Sie nach der Operation eine Brille mit nur einer Distanz (Nähe oder Ferne)
  • Wünschen Sie gar keine Brille mehr?

Welche Linsen stehen zur Wahl?

Heute stehen dem Arzt drei verschiedene Linsen zur Wahl:

Sphärische Linsen: Korrektur der Kurz- oder Weitsichtigkeit
Die sphärischen Linsen gehören heute zu den Standardlinsen. Sie ermöglichen die Korrektur der Kurz-/Weitsichtigkeit und ermöglichen damit eine scharfe Fernsicht. Die Einstellung in die Nähe ist auf Wunsch auch möglich.

Die Entscheidung, ob man eher in der Nähe oder in der Ferne scharf sehen möchte, muss vor der Operation gefällt werden. Eine Lesebrille gegen die Alterssichtigkeit wird nach wie vor notwendig sein. Eine zusätzliche Hornhautverkrümmung (Astigmatismus) kann mit diesen Standardlinsen nicht behoben werden. Die Standardlinsen sind heute häufig zusätzlich mit einem UV-Filter (Gelbfilter) ausgestattet, um die Netzhaut vor dem potenziell schädlichen UV-Licht zu schützen.

Kosten: Die sphärische Linse wird komplett von der Grundversicherung übernommen.

Torische Linsen: Nah- oder Fern-Funktion plus Hornhautverkrümmung
Die torischen Linsen kommen bei einer zusätzlichen Hornhautverkrümmung ab einer Höhe von 1 Dioptrie zum Einsatz. Damit wird scharfes und unverzerrtes Sehen ermöglicht; gegen die Alterssichtigkeit wird weiterhin eine Lesebrille notwendig sein. Auch diese Speziallinsen sind mit einem UV-Filter ausgestattet.

Kosten: Da es sich hier um eine Speziallinse handelt, werden die Kosten (etwa 1000 Franken pro Linse) nicht von der Grundversicherung übernommen.

Multifokale Linsen: Korrektur der Nah- und Fernsicht plus Alterssichtigkeit
Mit diesen Linsen wird sowohl die Kurz- als auch die Weitsichtigkeit plus die Alterssichtigkeit korrigiert. Der Patient erreicht damit also eine absolute Brillenfreiheit. Dafür müssen aber einige Nachteile in Kauf genommen werden.
Bei einer höheren Hornhautverkrümmung über 1 Dioptrie sind diese Speziallinsen nicht geeignet.

Nachteil: Bei Dämmerung und in der Nacht verursachen diese Linsen Blendempfindlichkeit und Streulicht; es treten z.B. störende Lichthöfe um Lichtquellen auf. Das kann insbesondere für Autofahrer in der Nacht sehr irritierend sein. Auch die mittlere Sehschärfe ist mit diesen Linsen nicht optimal: man sieht z.B. die Anzeigen auf dem Tachometer nicht ganz scharf. Auch die Arbeit am Computer kann erschwert sein.

Kosten: Eine Linse kostet 1'800 Franken und wird nicht von der Grundversicherung übernommen.

Alternative zu den multifokalen Linsen: Monovision
Bei der Monovision wird jedes Auge separat auf eine unterschiedliche Distanz eingestellt. Ohne Brille sieht ein Auge Gegenstände in der Ferne scharf und das andere Auge solche in der Nähe. In der der Regel hat jeder Mensch ein dominantes Auge, welches dann bei der Monovision auf die Ferne scharf eingestellt wird. Das Gehirn führt die beiden leicht unterschiedlichen Bilder zusammen, sodass man sowohl in der Ferne als auch in der Nähe ein immer ausreichend scharfes Bild sieht.

Nachteil: Das räumliche Sehen wird dadurch etwas eingeschränkt. Je kleiner die Differenz zwischen den beiden Augen, desto besser ist die räumliche Sehfähigkeit.

Zusammenfassung: Welche Linse ist für wen geeignet?

Ohne Hornhautverkrümmung

  • Standardlinsen: Es ist weiterhin eine Lesebrille notwendig
  • Multifokale Linsen: keine zusätzliche Brille notwendig. Achtung: nicht geeignet für Nachtautofahrer (z.B. Taxifahrer).
  • Monovision

Mit Hornhautverkrümmung

  • Torische Linsen: Erfordert weiterhin eine Lesebrille
  • Monovision: Hier kommen torische Linsen zum Einsatz

Vor der Operation kann mit den speziellen Kontaktlinsen der Seheindruck nach der Operation imitiert werden.