Fieber bei Kindern – (k)ein Grund zur Sorge?

Von: Dr. med. Kerstin Walter

Themen: Kinder

1. Januar 2014 – Fieber bei Kindern ist einer der häufigsten Gründe, warum Eltern den Kinderarzt aufsuchen. Es löst auch bei Fachpersonen immer wieder Sorge und Unsicherheit aus und gibt häufig Anlass für unnötige Diagnostik oder medikamentöse Fiebersenkung. Dabei ist Fieber keine Krankheit, sondern nur ein Symptom. Es kann die Infektabwehr sogar positiv beeinflussen. Ob und wie Fieber behandelt werden sollte, hängt also weniger von der Höhe der Temperatur als von der Ursache des Fiebers und dem Allgemeinbefinden des Kindes ab.

Die Körpertemperatur des Menschen schwankt je nach Alter, Tageszeit und körperlicher Aktivität zwischen 35,6 und 37,5°C. Obwohl Fieber ein häufiges Symptom ist, gibt es keine allgemeingültige Definition, ab welcher Temperatur man von Fieber spricht. Meist wird als Grenze aber 38°C, seltener auch 38,5°C, festgelegt.

Physiologische Regulationsmechanismen

Fieber beruht auf einer Verstellung des idealen Tempe­raturwerts des Körpers. Im Zwischenhirn, genauer gesagt im HypothalamusHypothalamus: Teil des Zwischenhirns und oberste Steuerzentrale des Hormonsystems, vergleicht ein Temperatur­fühler ständig die tatsächliche Körpertemperatur («Ist-Temperatur») mit der angestrebten Temperatur («Soll-Temperatur»). Bei Fieber steigt der Sollwert an, so dass die Ist-Temperatur im Vergleich zur Soll-Temperatur zu niedrig ist. Der Körper friert so lange, bis er durch Kältezittern die neue Soll-Temperatur erreicht hat. Umgekehrt schwitzt ein Kind mit Fieber, dessen Soll-Wert wieder auf Normalwerte absinkt. Kinder, die «entfiebern» und denen zu heiss ist, sollte man daher nicht fest zudecken, auch wenn sie noch nicht völlig gesund sind. 

Ursache des Fiebers abklären

Gerade im Kindesalter ist Fieber zwar ein sehr häufiges und typisches Begleitsymptom von Infektionskrankheiten. Es besteht aber nur ein geringfügiger Zusammenhang zwischen Höhe und Dauer des Fiebers und der Schwere oder dem Komplikationsrisiko der Erkrankung. Bei der medizinischen Betreuung fiebernder Kinder ist die Abklärung der Fieberursache von zentraler Bedeutung. Gelingt es, die zugrundeliegende Krankheit zu behandeln, kommt es in nahezu allen Fällen auch zu einer Normalisierung der Körpertemperatur. Bei neu auftretendem Fieber gilt es herauszufinden, ob eine Virusinfektion, eine bakterielle Infektion oder sonstige, seltene Ursachen zugrunde liegen.

Therapie dem Verhalten des Kindes anpassen

Für sonst gesunde Kinder stellt Fieber im Regelfall kein zusätzliches Gesundheitsrisiko dar. Es beeinflusst weder den Verlauf noch den Ausgang einer Erkrankung negativ. Primäres Ziel einer Therapie ist daher nicht einfach grundsätzlich die Senkung der Körpertemperatur auf Normalwerte, sondern eine fiebersenkende Therapie ist nur indiziert, wenn sie das Wohlbefinden des Kindes verbessert. Bei Werten unter 38,5°C ist eine fiebersenkende Therapie nur in seltenen Ausnahme­fällen angezeigt.

 

Abklärungen bei der Kinderärztin sind nur notwendig, wenn sich der Zustand des Kindes deutlich verschlechtert oder das Kind nicht mehr ausreichend Flüssigkeit aufnimmt.

Flüssigkeitsverlust vermeiden

Insbesondere bei kleinen Kindern ist eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr wichtig, um eine Austrocknung zu vermeiden. Dabei ist zu beachten, dass bei erhöhter Körpertemperatur die Flüssigkeitsverluste durch Atmung und Verdunstung deutlich erhöht sind. Um abschätzen zu können, ob das Kind auszutrocknen droht, können Eltern auf Zeichen wie verminderte Urinproduktion (trockene Windeln), trockene Lippen oder Weinen ohne Tränen achten. Wichtig ist, dem Kind häufig Getränke anzubieten.

«Abwarten und Tee trinken»

Häufig ist gar keine spezifische Therapie notwendig. So lange das Kind trinkt und spielt, kann die normale Ausheilung eines Infektes abgewartet werden. Weitere Abklärungen bei der Kinderärztin oder beim Kinderarzt sind nur notwendig, wenn sich der Zustand des Kindes deutlich verschlechtert oder das Kind nicht mehr ausreichend Flüssigkeit aufnimmt. Massnahmen zur Fiebersenkung können dann sinnvoll sein, wenn die erhöhte Körpertemperatur mit starkem körperlichen Unwohlsein oder Krankheitsgefühl einhergeht, es zu Störungen des Wasser- und Salzhaushaltes kommt oder das Kind an einer schwerwiegenden Grundkrankheit leidet.

Fieber ist bei Kindern ein häufiges Symptom und bei sonst gutem Allgemeinzustand kein Grund zur Sorge. So lange das Kind noch trinkt und spielt, kann problemlos abgewartet werden. Ein Termin beim Kinderarzt zur weiteren Abklärung ist nur nötig, wenn sich der Zustand des Kindes deutlich verschlechtert oder wenn es nicht mehr ausreichend Flüssigkeit aufnimmt.

Medikamente

Zur medikamentösen Fiebersenkung bei Kindern kommen vor allem Paracetamol und Ibuprofen zum Einsatz:

Paracetamol eignet sich richtig dosiert sehr gut zur Fiebersenkung und hat kaum Neben­wirkungen. Eine Überdosierung kann aber zu schweren Ver­giftungen mit Leberversagen führen. Pro Tag darf eine Gesamtdosis von 90mg/kg Körpergewicht nicht überschritten werden.

Ibuprofen besitzt neben der fiebersenkenden auch noch eine entzündungshemmende Wirkung. Da es aber die Nierenfunktion beeinträchtigen kann, sollte es bei Kindern unter sechs Monaten nicht eingesetzt werden.

Die Gabe von Paracetamol und Ibuprofen im Wechsel geht mit dem Risiko einer Fehl­dosierung einher und ist nicht empfohlen.