Lymphgefässerkrankungen erkennen und richtig behandeln

Von: Dr. med. Gerson Strubel

Themen: Stoffwechsel

3. Dezember 2015 – Lymphgefässerkrankungen führen zu Beschwerden, Komplikationen und Beeinträchtigen die Lebensqualität. Werden sie rechtzeitig erkannt und in einem Netzwerk von Fachspezialisten richtig behandelt, kann den Betroffenen sehr oft bemerkenswert geholfen werden.

Wissenswertes über die Lymphgefässe

Lymphgefässe verbinden den Zwischenzellraum mit dem Venensystem. Sie dienen dem Abtransport von Gewebeflüssigkeit, Eiweissen, Fremdkörpern und Krankheitserregern wie Bakterien, Viren etc. und unterstützen die Aufgabe der Venen. Erkrankungen der Lymphgefässe und Lymphknoten führen oft zu einer sicht- und tastbaren Flüssigkeitsansammlung, dem sogenannten LymphödemLymphödem: eiweissreiche Schwellung infolge einer Erkrankung der Lymphgefässe. Die Lehre von diesen Erkrankungen heisst Lymphologie.

Man unterscheidet primäre und sekundäre LymphödemeLymphödem: eiweissreiche Schwellung infolge einer Erkrankung der Lymphgefässe: Die primären beruhen auf einer genetisch bedingten Entwicklungsstörung des Lymphgefässsystems. Sie betreffen vor allem Jugendliche sowie bevorzugt Frauen. Die sekundären LymphödemeLymphödem: eiweissreiche Schwellung infolge einer Erkrankung der Lymphgefässe sind erworben. Sie treten nach Tumorbehandlungen auf – besonders nach Bestrahlung (z.B. bei Brustkrebs), aber auch nach Gefässoperationen (z.B. VenenstrippingVenenstripping: Operative Entfernung oberflächlicher Krampfadern, BypassBypass: Chirurgisch angelegte künstliche Umleitung des Blutflusses. Ein Bypass wird am oberen und unteren Ende eines verschlossenen Blutgefässes eingenäht. Als Bypassmaterial eignen sich körpereigene Venen und Kunststoffrohre.
), Verletzungen, Entzündungen (Wundrose) und Parasitenbefall (Filariose).

Die Lymphflüssigkeit (sog. Lymphe) ist eiweissreich und muss abfliessen können; ansonsten lagert sich das Eiweiss im Gewebe ab und löst dadurch eine Entzündung aus, die zu einer Vermehrung des Bindegewebes führt. In der Folge kommt es zu Funktionseinschränkungen, erhöhter Infektanfälligkeit (Wundrose) sowie Neigung zu chronischen Wunden. Andere ÖdemeÖdem: Gewebeschwellung aufgrund einer Flüssigkeitseinlagerung aus dem Gefässsystem, z. B. bei Herzschwäche oder Nierenerkrankungen, verhalten sich grundsätzlich anders.

Ein LymphödemLymphödem: eiweissreiche Schwellung infolge einer Erkrankung der Lymphgefässe lässt sich an der einseitigen oder einseitig betonten Schwellung einer Extremität erkennen. Es verursacht selten Schmerzen, führt aber zu Schwere- und Spannungsgefühlen und beeinträchtigt die Beweglichkeit. Ohne Behandlung ist der Verlauf chronisch fortschreitend. Zu Beginn bildet sich die Schwellung über Nacht zurück und ein Daumendruck hinterlässt Dellen. Später ist dies nicht mehr der Fall. Das primäre LymphödemLymphödem: eiweissreiche Schwellung infolge einer Erkrankung der Lymphgefässe beginnt meist an Fuss oder Hand, das sekundäre am Oberschenkel oder am Oberarm.

Diagnose und Behandlung von Lymphödemen

Die lymphologische Diagnose wird mithilfe der sogenannten Basisdiagnostik gestellt. Sie besteht aus der Patientenbefragung sowie der Betrachtung, dem Betasten der betroffenen Extremität und der Volumenmessung. Die technische Untersuchung beschränkt sich auf einen speziellen Gewebeultraschall. Die Therapie ist zumeist konservativ und umfasst manuelle LymphdrainageManuelle Lymphdrainage: Form der physikalischen Therapie, die der Aktivierung des Lymphgefässsystems dient, Kompression (Verbände bzw. flachgestrickte Kompressionsteile), Gymnastik sowie Hautpflege. Weil diese Therapie in der Regel lebenslang erforderlich ist, erfolgt sie am besten innerhalb eines lymphologischen Netzwerkes, bestehend aus Ärzten, Lymphtherapeuten und erfahrenen Sanitätshäusern.