Lymphstau bei Brustkrebs

Von: Dr. med. Hubert Schefer, Andrea Hörig, Ilona Baum

Themen: Stoffwechsel

3. Dezember 2015 – Lymphgefässprobleme treten bei BrustkrebspatientInnen nicht selten auf. Das Brustzentrum St. Anna schenkt dieser Thematik daher grosse Beachtung.

Im September 2014 wurde bei Anita Kerner (61-jährig) Brustkrebs in der linken Brust festgestellt. Die Erkrankung hatte sich bereits so stark ausgedehnt, dass eine brusterhaltende Operation nicht mehr möglich war. Zwei Wochen später wurden deshalb die linke Brust sowie 14 Lymphknoten im Bereich der Achsel entfernt. Mit beratender und betreuender Unterstützung durch das BrustZentrum konnte Anita Kerner in der Folge die Ängste in Zusammenhang mit ihrem veränderten Aussehen abbauen. Sie erhielt viele hilfreiche Informationen, so auch über das Risiko eines Lymphstaus im linken Arm.

Nach einem Mückenstich im März 2015 schwoll der linke Arm der Patientin stark an, war gerötet und überwärmt. Die Untersuchung ergab eine Hautentzündung und einen Lymphstau. Mit der sofort eingeleiteten antibiotischen Therapie verschwand die Rötung, doch der Lymphstau blieb bestehen. In Absprache mit der zugezogenen Spezialistin für Lymphdrainagetherapie von der PhysioART St. Anna wurden in den ersten zwei Wochen täglich manuelle Lymphdrainagen und Bandagen verordnet. Die Schwellung bildete sich deutlich zurück, blieb aber weiterhin erkennbar. Anita Kerner setzt die Lymphdrainage nun einmal wöchentlich an ihrem Wohnort fort. Sie weiss, dass sich die Schwellung vermutlich nie vollständig zurückbilden wird. Sie hat aber auch die Gewissheit, dass sie sich jederzeit an das BrustZentrum wenden kann.

Ein Lymphstau kann zu einem Spannungsgefühl oder Schmerzen in der Brustwand und im Arm führen. Die betroffenen Frauen sind im Alltag behindert und in der Lebensqualität oft erheblich eingeschränkt. Ein Lymph–stau kann in verschiedenen Phasen einer Brustkrebserkrankung auftreten:

  1. Nach dem chirurgischen Eingriff kann es zu einer Schwellung des Hautmantels im Bereich der Brustdrüse, der Brustwand, der Achselhöhle und des Oberarmes kommen.
  2. Nach der StrahlentherapieStrahlentherapie: auch Radiotherapie genannt, Behandlung von Erkrankungen mit Röntgen-, Gamma-, oder Elektronenstrahlen der Brustdrüse und/oder der Lymphabflussbahn im Bereich der Achselhöhle steigt das Risiko für Lymphstau, vor allem wenn nebst dem WächterlymphknotenWächterlymphknoten: erster Lymphknoten im Abflussbereich eines Tumors weitere Achsellymphknoten entfernt werden mussten.
  3. Auch viele Jahre nach Abschluss der Erstbehandlung kann im Arm ein LymphödemLymphödem: eiweissreiche Schwellung infolge einer Erkrankung der Lymphgefässe auftreten als Stressreaktion des «vorbelasteten» Lymphgefässsystems (z.B. durch Sonnenbrand, Insektenstich oder bakterielle Entzündung der Haut). Wichtig ist, dass auch Jahre nach der Brustkrebsdiagnose ein Rückfall der Krebserkrankung als mögliche Ursache eines Lymphstaus bedacht wird, z.B. in den Weichteilen hinter dem Schlüsselbein.

Lymphologie am BrustZentrum St. Anna

Im Brustzentrum St. Anna wird jedes Jahr bei mehr als 100 Frauen die Diagnose Brustkrebs gestellt. Abklärung und Behandlung erfolgen gemäss international anerkannten Leitlinien. An den wöchentlichen interdisziplinären Tumorkonferenzen wird für jede Patientin ein individueller Behandlungsplan festgelegt und angewendet. Ein besonderes Augenmerk gilt der kompetenten und persönlichen ärztlichen sowie pflegerischen Betreuung, ergänzt durch die langfristige Betreuung durch die Breast Care Nurse (Pflegeexpertin für Brusterkrankungen) und bei Bedarf durch eine Lymphspezialistin.