Narbenfrei operieren – ein Wunschtraum?

Von: Dr. med. Fernando Holzinger

Themen: Bauchraum, Haut

20. Oktober 2014 – Rund 20 Jahre nach dem in der Schweiz die ersten laparoskopischen Eingriffe vorgenommen worden sind, revo­lutioniert eine neue Technik die Schlüsselloch-Chirurgie: SILS – die narbenfreie laparoskopische Operation. Das alte Schlagwort «Grosser Chirurg – Grosser Schnitt» scheint definitiv ausgedient zu haben. Den Patienten kann dies nur Recht sein!

1989 wurde durch den Chirurgen Christian Klaiber im kleinen Bezirksspital Aarberg zum ersten Mal eine laparoskopische Entfernung der Gallenblase in der Schweiz vorgenommen. Dr. Klaiber wurde damals von den führenden Chirurgen der Schweizer Universitätsspitäler scharf kritisiert. Er betreibe eine für den Patienten gefährliche und unwissenschaftliche Chirurgie. Der Lauf der Geschichte hat dem Visionär Klaiber Recht gegeben. Heute wird ein Grossteil der Bauchoperationen laparoskopischLaparoskopie: Laparoskopie ist eine Operation mittels Bauchspiegelung. Über 5 – 10 mm kleine Hautschnitte bringen die Ärzte eine Kamera und Operationsinstrumente in das Operationsfeld ein. durchgeführt. Tendenz steigend.

Abb. 1
Der via Nabel eingebrachte SILSSILS: Abkürzung für Single Incision Laparoscopic Surgery, 1-Schnitt-Laparoskopie-Arbeitszugang zur Durchführung einer Gallenblasenentfernung.

Abb. 2
Patientin 6 Wochen nach Gallenblasenentfernung mittels SILSSILS: Abkürzung für Single Incision Laparoscopic Surgery, 1-Schnitt-Laparoskopie-Technik, mit unsichtbarer Narbe in der Nabeltiefe.

Abb. 3
Narbenzustand 6 Wochen nach herkömmlicher laparoskopischer Gallenblasenentfernung über mehrere kleine Schnitte (s. Pfeile).

SILS: Ein kleiner Schnitt reicht

SILSSILS: Abkürzung für Single Incision Laparoscopic Surgery, 1-Schnitt-Laparoskopie steht für Single Incision Laparoscopic Surgery, auf Deutsch 1-Schnitt-LaparoskopieLaparoskopie: Laparoskopie ist eine Operation mittels Bauchspiegelung. Über 5 – 10 mm kleine Hautschnitte bringen die Ärzte eine Kamera und Operationsinstrumente in das Operationsfeld ein.. Im Gegensatz zur traditionellen laparoskopischen Operationstechnik, bei der in der Regel drei bis fünf über die Bauchdecke verteilte kleine Hautschnitte als Kamera- und Instrumenten-Zugänge zur Durchführung einer Operation angelegt werden, wird bei der SILSSILS: Abkürzung für Single Incision Laparoscopic Surgery, 1-Schnitt-Laparoskopie nur noch ein kurzer Schnitt in der Tiefe des Nabel benötigt. Dies führt am Ende des operativen Eingriffs zu einer unsichtbaren Narbe, welche in der Tiefe des Nabels verschwindet.

Nabel, der anatomische Mittelpunkt

Der Nabel stellt nicht nur den anatomischen Mittelpunkt des Menschen dar, sondern ermöglicht auch den einfachsten und gefahrlosesten Zugang zur Bauchhöhle. Streng genommen handelt es sich beim Nabel bereits um eine Narbe. Die offene Verbindung via Nabelschnur zur Aussenwelt verschliesst sich ja erst nach der Geburt. So gesehen bietet es sich geradezu an, die bereits bestehende und strategisch günstig liegende «Narbe» Nabel als operativen Zugang für Eingriffe im Bauchraum auszuwählen.

10 Jahre im Dornröschenschlaf

Die ersten Gehversuche mit SILSSILS: Abkürzung für Single Incision Laparoscopic Surgery, 1-Schnitt-Laparoskopie liegen bereits über 10 Jahre zurück. Die damalige Zeit war jedoch noch nicht reif für diese neue Idee, und auch das notwendige Instrumentarium noch nicht entwickelt, sodass SILSSILS: Abkürzung für Single Incision Laparoscopic Surgery, 1-Schnitt-Laparoskopie im Dornröschenschlaf versank.

Wie bereits bei der traditionellen LaparoskopieLaparoskopie: Laparoskopie ist eine Operation mittels Bauchspiegelung. Über 5 – 10 mm kleine Hautschnitte bringen die Ärzte eine Kamera und Operationsinstrumente in das Operationsfeld ein. waren es technische Innovationen, welche der SILSSILS: Abkürzung für Single Incision Laparoscopic Surgery, 1-Schnitt-Laparoskopie-Idee zur Wiedergeburt verholfen haben. Erst mit der Entwicklung kleinerer Optiken sowie abwinkelbarer Spezial-Instrumente wurden die technischen Voraussetzungen geschaffen, um allein durch einen kleinen Schnitt im Nabelbereich komplexe chirurgische Eingriffe vorzunehmen.

Vor- und Nachteile von SILS

Es gibt zurzeit noch keine randomisierten Studien, welche die SILSSILS: Abkürzung für Single Incision Laparoscopic Surgery, 1-Schnitt-Laparoskopie-Technik mit der traditionellen LaparoskopieLaparoskopie: Laparoskopie ist eine Operation mittels Bauchspiegelung. Über 5 – 10 mm kleine Hautschnitte bringen die Ärzte eine Kamera und Operationsinstrumente in das Operationsfeld ein. vergleichen.Da jedoch jeder Schnitt, und sei er noch so klein, mit einem gewissen Risiko für Blutungen, Narbenhernien oder einer inneren Organverletzung behaftet ist, könnte durch die neue SILSSILS: Abkürzung für Single Incision Laparoscopic Surgery, 1-Schnitt-Laparoskopie-Technik eine diesbezügliche Verbesserung erreicht werden. Je minimal-invasiver der gleiche Eingriff vorgenommen werden kann, desto maximal schonender ist er für den Patienten.

Ob die SILSSILS: Abkürzung für Single Incision Laparoscopic Surgery, 1-Schnitt-Laparoskopie-Technik auch zu weniger postoperativen Schmerzen, kürzeren Hospitalisationszeiten und zu einer rascheren Erholung der Patienten führt, bleibt vorerst abzuwarten.

Bessere kosmetische Ergebnisse

Eindeutige Vorteile ergeben sich für SILSSILS: Abkürzung für Single Incision Laparoscopic Surgery, 1-Schnitt-Laparoskopie in kosmetischen Belangen. Die SILSSILS: Abkürzung für Single Incision Laparoscopic Surgery, 1-Schnitt-Laparoskopie-Technik verkörpert die «Schlüssellochchirurgie» par excellence und hinterlässt keine sichtbaren Spuren. Für viele Patientinnen und Patienten ein gewichtiger und nicht zu unterschätzender Faktor, wenn es darum geht, sich einer Operation unterziehen zu müssen.

Vielfältige Anwendung

Die SILSSILS: Abkürzung für Single Incision Laparoscopic Surgery, 1-Schnitt-Laparoskopie-Technik wird bereits in mehreren chirurgischen Fachgebieten angewendet, wie z.B. Viszeralchirurgie, Urologie und Gynäkologie. Sie umfasst Eingriffe wie etwa die Gallenblasenentfernung, die Blinddarmentfernung, Operationen zur Verhinderung des Rückflusses von Mageninhalt in die Speiseröhre (RefluxReflux: Rückfluss von Magensäure in die Speiseröhre), Darmeingriffe und gynäkologische Operationen.

SILSSILS: Abkürzung für Single Incision Laparoscopic Surgery, 1-Schnitt-Laparoskopie eignet sich jedoch nicht für alle Patienten. Zurzeit gelten als relative Gegenanzeigen zur Anwendung der SILSSILS: Abkürzung für Single Incision Laparoscopic Surgery, 1-Schnitt-Laparoskopie-Technik extremes Übergewicht, ausgedehnte Verwachsungen oder schwere entzündliche Veränderungen im Operationsfeld.

Das Bessere löst das Gute ab

Die Chirurgie des Bauchraumes hat in den letzten 20 Jahren nach Einführung und Verbreitung der LaparoskopieLaparoskopie: Laparoskopie ist eine Operation mittels Bauchspiegelung. Über 5 – 10 mm kleine Hautschnitte bringen die Ärzte eine Kamera und Operationsinstrumente in das Operationsfeld ein. einen in der Medizingeschichte beispiellosen Wandel durchgemacht. Die minimal-invasiven Operationsverfahren werden heute in praktisch allen operativen Teilgebieten angewendet und haben zum Teil die offenen chirurgischen Verfahren ganz abgelöst.

Der Wunsch von Patienten und Chirurgen, Operationen so schonend wie möglich durchzuführen und das operative Trauma so gering wie möglich zu halten, hat zur Weiterentwicklung der traditionellen LaparoskopieLaparoskopie: Laparoskopie ist eine Operation mittels Bauchspiegelung. Über 5 – 10 mm kleine Hautschnitte bringen die Ärzte eine Kamera und Operationsinstrumente in das Operationsfeld ein. hin zur SILSSILS: Abkürzung für Single Incision Laparoscopic Surgery, 1-Schnitt-Laparoskopie-Technik geführt. Man darf gespannt sein, wie sich die neue SILSSILS: Abkürzung für Single Incision Laparoscopic Surgery, 1-Schnitt-Laparoskopie-Technik im Vergleich zur herkömmlichen LaparoskopieLaparoskopie: Laparoskopie ist eine Operation mittels Bauchspiegelung. Über 5 – 10 mm kleine Hautschnitte bringen die Ärzte eine Kamera und Operationsinstrumente in das Operationsfeld ein. schlägt. Vielleicht wird sich im Laufe der Zeit herausstellen, dass je nach Patient und Krankheitsbild die eine oder andere, oder aber eine Kombination der beiden Techniken das Sinnvollste ist. In ein paar Jahren wissen wir mehr!