Schulter an Schulter – Optimale Resultate nach Rotatorenmanschettenoperation

Von: Dr. med. Philipp Meyer, Rea Leu-Stachura

Themen: Schulter

1. Juli 2013 – Herr Gonzalez, 35-jährig, liess sich im Frühling vor einem Jahr nach einem Arbeitsunfall in der Klink St. Anna seine Schulter operieren. Er hatte vor der Operation starke Schmerzen und seine Bewegungsfreiheit war deutlich eingeschränkt. Nach dem Eingriff durch den Schulterspezialisten der Orthopädischen Klinik Luzern AG (OKL) wurde er durch seinen Therapeuten von PhysioART über Monate weiterbetreut. Nach einer intensiven Rehabilitationsphase kann Herr Gonzalez heute alle täglich wichtigen Bewegungen wieder wie gewohnt ausführen und ist im Berufsalltag wieder uneingeschränkt einsatzfähig.

Schnellstmöglich zurück in den Alltag

Durch einen Sturz auf den Arm oder durch Verschleiss können Defekte an den Schultersehnen entstehen. Mögliche Folgen davon sind Schmerzen, Kraftverlust und Einschränkungen bei Armbewegungen im Alltag. Ist der Leidensdruck zu gross, kann die defekte Sehne operativ versorgt werden.

Bei der Rotatorenmanschettenoperation wird die abgerissene Sehne mit Nähten am Knochen wieder befestigt. Die Sehnennaht muss in der ersten Phase nach der Operation ruhig gestellt werden, damit sie gut einheilen kann. Nach dieser Ruhephase folgt eine zweite, aktive Therapiephase, in welcher der Patient die Muskeln wieder auftrainieren und die Sehne wieder an die alltäglichen bzw. beruflichen Belastungen gewöhnt werden muss. Die Therapeuten der PhysioART und die Fachärzte der OKL begleiten gemeinsam in individueller Absprache diese Rehabilitation. In den ersten vier Monaten nach der Operation wird bereits eine gute Alltagsfunktion mit Aktivitäten auf Brusthöhe erreicht. Für Überkopfaktivitäten wie Fenster reinigen oder Tennis spielen, muss mit einer Aufbauarbeit von bis zu einem Jahr gerechnet werden.

Studie

Ein operativer Eingriff darf als erfolgreich bezeichnet werden, wenn damit die zuvor bestehenden Probleme eines Patienten behoben werden konnten. Individuelle Einzelresultate sind dabei weniger aussagekräftig als systematische Nachuntersuchungen aller Patienten, die nach der gleichen Methode operiert und nachbehandelt wurden. Aus diesem Grunde wurde zur Evaluation unserer Behandlungsmethoden eine klinische Nachuntersuchungsstudie durchgeführt, welche den Behandlungserfolg bei allen Patienten nach erfolgter Rotatorenmanschettenoperation anhand festgelegter Kriterien systematisch misst.

In diese Studie wurden 34 Patienten nachuntersucht. Erfasst wurden das Schmerzausmass und der Bewegungsumfang bei alltäglichen Schulterbewegungen (beispielsweise beim Haare kämmen oder Jacke anziehen). Dies wurde vor der Operation sowie drei, sechs und zwölf Monate nach der Operation erfragt und gemessen. Der Grund, warum die Patienten über einen so langen Zeitraum nachuntersucht werden müssen, liegt in der langen Heilungszeit einer verletzten Sehne. Diese dauert beispielsweise deutlich länger als bei einem Knochenbruch. Zudem verbessert sich die Kraft und Beweglichkeit kontinuierlich über viele Monate, einerseits durch die Therapie, andererseits aber auch spontan durch die Wiederaufnahme von Alltagsverrichtungen.

Die Auswertung der Studiendaten hat gezeigt, dass die von uns operierten und nachbetreuten Patienten eine klare Verbesserung der Schulteralltagsfunktionen sowie eine deutliche Minderung der ursprünglich schmerzhaften Bewegungsbehinderung erfahren durften, siehe Abbildung 1.

Behandlungsrichtlinien

Eine optimale und zielführende Schulterrehabilitation berücksichtigt folgende Aspekte:

  • Eine individuelle, gemeinsam festgelegte Behandlung, die sich an den Zielen der Patienten orientiert.
  • Therapiemethoden, welche dem aktuellen Forschungsstand entsprechen.
  • Spezialisierte Ärzte und Therapeuten, welche die Patienten im Sinne eines Coachings begleiten.
  • Eine gute Kommunikation zwischen Patienten, Ärzteschaft und Therapeuten.
  • Motivierte Patienten mit Geduld in der Ruhephase und mit sehr viel Engagement in der aktiven Phase danach.

Eine optimale Nachbetreuung nach erfolgreicher Operation ist für eine rasche und nachhaltige Genesung von grosser Bedeutung. Die enge Zusammenarbeit des Therapeuten der PhysioART mit dem Orthopädischen Chirurgen der OKL sind entscheidend, damit die operierte Schulter auch möglichst bald im Alltag wieder eingesetzt werden kann. Schulter an Schulter – so wird das gemeinsame Ziel schnellstmöglich erreicht.

Resultate

Abb. 1: Verbesserung von Alltagsfunktion der Schulter, Schmerzen und Behinderungsgrad
Eine tiefe Punktzahl bezeichnet eine gute Funktion und wenige Einschränkungen im Alltag. Der gelbe Pfeil bezeichnet den Gesundheitsgewinn im ersten Jahr nach der Operation.
SPADI: Verbesserung der Alltagsfunktion gemäss «Shoulder, Pain and Disability Index»