Wenn das Herz aus dem Takt fällt

Von: Dr. med. Thomas Stuber

Themen: Herz

04. Juli 2014 – Viele Menschen erleben im Lauf ihres Lebens mindestens einmal Herzrhythmusstörungen. Diese sind häufig harmlos oder sogar völlig unbedeutend, sie können aber auch Zeichen einer ernsthafteren Erkrankung oder im schlimmsten Fall akut lebensbedrohend sein.

Das Spektrum der möglichen Beschwerden, die durch Herzrhythmusstörungen entstehen, ist sehr breit. Es reicht von keinen wahrnehmbaren Beschwerden, zu lästigen kurzen Episoden, zu stark störenden längeren und sehr unangenehmen Ereignissen, bis zu Herz-Kreislaufversagen und einem Bewusstseinsverlust innert Sekunden.

 


Abb. 1
Mit einer Katheterablation ist in den meisten Fällen eine Heilung der Rhythmusstörungen möglich.

Unregelmässiger Puls

Die häufigsten Rhythmusstörungen sind einzelne Extraschläge, die als kurze Pulsaussetzer oder ein Stolpern des Herzens bemerkt werden. Sie werden durch die zu frühe Erregung des Herzens ver­ursacht, ausgehend von einer anderen Stelle als den natürlichen Schrittmacherzellen im Herzen. So schlägt das Herz in einem Moment, in dem es noch kaum gefüllt ist. Dadurch ist der Puls nur schwach oder gar nicht spürbar. Der nächste Herzschlag erfolgt wieder zur richtigen Zeit, nachdem sich das Herz länger als normal füllen kon­nte. Der Puls dieses Herzschlages ist dann sehr stark. Diese kurze Veränderung wird vor allem im Ruhezustand oder vor dem Einschlafen bemerkt. Viele Betroffene sind verständlicherweise beunruhigt. Das Phänomen ist meistens völlig harmlos. Eine Aufzeichnung der Herzstromkurve (EKGElektrokardiogramm (EKG): Herzstromkurve. Das EKG zeichnet die elektrische Aktivität des Herzmuskels auf.) während 24 Stunden kann in den meisten Fällen den Zusammenhang zwischen den Extra­schlägen und den störenden Pulsaussetzern aufzeigen und beruhigen.

Vorhofflimmern

Andere Rhythmusstörungen treten in kürzeren oder längeren Episoden mit Herzrasen und häufig einem unregelmässigen Puls auf. Sie sollten möglichst gut abgeklärt werden. Am häufigsten ist Vorhofflimmern, das ein Prozent der Gesamtbevölkerung und 20 Prozent der über 80-Jährigen betrifft. Nebst den oft störenden Beschwerden kann Vorhofflimmern Blutgerinnsel im Herzen und damit Schlaganfälle verursachen. Eine ausreichende Blutverdünnung ist deswegen je nach Risikosituation sehr wichtig. Vorhofflimmern tritt mit der Zeit immer häufiger auf, bis es nicht mehr von alleine stoppt. Medikamente können die Symptome lindern oder auch das Auftreten der Rhythmusstörung unterdrücken. Die langfristig besten Resultate erreicht man heute mit einer Katheterablation, bei der unter günstigen Voraussetzungen in bis zu 80 Prozent eine Heilung möglich ist. Dieser Eingriff erfolgt unter Lokalanästhesie im Katheterlabor. Über einen kleinen Stich in der Leiste gelangt man durch die Vene bis ins Herz und kann dort im linken Vorhof die auslösenden elektrischen Störsignale isolieren oder veröden. Der Katheter wird dabei von aussen gesteuert, oft unter Zuhilfenahme eines Navi­gationssystems, das erlaubt, eine Karte der elek­trischen Aktivität im Innern des Herzens zu erstellen.

Abb. 2
Störsignale aus den Lungenvenen verursachen Flimmern im Vorhof.

Abb. 3
Mit einem Katheter werden die elektrischen Störsignale isoliert.

Herzschrittmacher

Schlägt das Herz zu langsam, weil der elektrische Impuls nicht entsteht oder nicht in alle Teile des Herzens übergeleitet wird, kann ebenfalls in Lokalanästhesie ein Herzschrittmacher eingebaut werden. Herzschrittmacher gibt es seit über 50 Jahren. Die heutigen Geräte sind kaum grösser als ein Fünffrankenstück und haben eine Batterielebensdauer von zehn Jahren.

Gefährliche Rhythmusstörungen

Gefährlicher ist es, wenn das Herz plötzlich extrem schnell schlägt. In diesem Fall kann es sich zwischen den Schlägen gar nicht mit Blut füllen und versagt. Falls nicht sofort Reanimationsmassnahmen ergriffen werden, kann dies innert Minuten zum Tod führen. Deswegen werden heute Menschen mit einem erhöhten Risiko für diese gefährlichen Rhythmusstörungen mit einem internen Defibrillator ausgerüstet. Dieses Gerät erkennt gefährliche Rhythmus­störungen, noch bevor der Mensch etwas merkt und kann sie, wenn nötig, mit einem starken Stromschlag beenden und so das Leben der Betroffenen retten.

Dank moderner Verfahren können Herzrhythmusstörungen heute in vielen Fällen geheilt oder unterdrückt werden. Die meisten Patientinnen und Patienten sind dadurch weitgehend beschwerdefrei. Zudem können Medikamente oder Geräte vor den gefährlichen Folgen der Rhythmusstörungen schützen, wenn diese rechtzeitig erkannt und abgeklärt werden.